Begegnung mit gelebter Toleranz

Imam und Pastor aus Nigeria zu Gast an der EKS

Imam_Pastor_2018_2Die Welt spielt verrückt. So könnte man die letzte Zeit beschreiben. Trump droht Russland mit Raketen, dem Rest der Welt mit Handelskrieg, überall bekriegen sich Menschen im Namen irgendeines Gottes – egal welcher es gerade ist.

Da kann Religionsunterricht auch nichts mehr machen – könnte man meinen. Da der Religionsunterricht in Hamburg die Religionen nicht trennt, sondern in einem Klassenraum zusammenführt, ist hier Toleranz und Dialog das oberste Gebot. Also vielleicht doch, im Kleinen.

Imam_Pastor_2018_4So haben sich zwei VS-Kurse seit dem Jahreswechsel damit aus einander gesetzt, wie Dialog unter den Religionen aussehen kann, welche Regeln eigentlich zu beachten sind, wie ein Gespräch miteinander gelingen kann. Der ganze Unterricht führte auf eine Veranstaltung hin, die Ende Februar zwei beeindruckende Gestalten an unsere Schule führte: Imam Muhammed Ashafa und Pastor James Wuye aus Nigeria.

Was ist das Besondere, dass man sich mit einem muslimischen Imam und einem christlichen Pastor trifft? Das ist die Geschichte, die dahinter steckt. Wenn am Anfang von Kriegen im Namen Gottes die Rede war, diese Beiden haben ihn gelebt, einen solchen Krieg. Beide waren Führer von militärischen Gruppen in der Stadt Kaduna, der eine auf muslimischer Seite, der andere auf christlicher Seite. Beide haben sich schreckliche Gewalt angetan – Pastor Wuye verlor seinen rechten Arm durch einen Angriff der gegnerischen Miliz, Imam Ashafa diverse Familienangehörige und Freunde durch Morde der Christen.

Beide sind nicht in dieser Spirale der Gewalt stecken geblieben. Beide hatten kurze Augenblicke, die Sie letztlich davon überzeugten, dass der Gegenüber möglicherweise doch kein solches Ungeheuer ist, wie man dachte, und wie es Kriegstreiber immer wieder erzählen. Diese kleinen Augenblicke waren zunächst Momente gemeinsamer Trauer um Tote. Der Weg, das Misstrauen zu überwinden war unendlich schwer und lang, aber diese beiden Persönlichkeiten haben es in den letzten 25 Jahren geschafft: heute reisen Sie als Freunde durch die Welt und stellen ihre gemeinsame Idee von Vergebung und Dialog vor.

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Heißt das jetzt, dass Sie an denselben Gott glauben? Ja und Nein!

Der Pastor ist nach wie vor Christ, der Imam betet nach wie vor täglich 5 x zu Allah. Eines der Geheimnisse ist, dass Sie das Gemeinsame betonen: das Mensch sein, das gegenseitige Vergeben, den notwendigen Schutz der Welt, den Glauben an den einen Gott. Dennoch wir das Trennende nicht totgeschwiegen – man streitet sich bei allem Respekt voreinander um die Einzelheiten, beide versuchen sich immer noch gegenseitig von der Richtigkeit des jeweils eigenen Glaubens zu überzeugen.Imam_Pastor_2018_3

Diese Grundhaltung machte die zwei Stunden für die 45 VS-Schüler und diverse Gäste zu einem beeindruckenden und unvergesslichen Moment.

Marcus Prieß

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