food + fun

der Kurs mit Genuss

Eifrige Geschäftigkeit herrscht im Raum 33 am Hermelinweg. In einem zur Küche umfunktionierten Klassenraum treffen sich rund 16 Schülerinnen und Schüler, um sich mit dem Thema nachhaltige Ernährung auseinanderzusetzen.

„food&fun“ heißt der Wahlpflichtkurs, in dem Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung kleine Speisen aus ökologischen Lebensmitteln herstellen.

Das neue Lernkonzept an der Erich Kästner Schule beinhaltet in den Jahrgängen 5 und 6 die Durchführung der ProjekteLandwirtschaft und Ernährung“ (Jg. 5) und „Gesundheit: bewegen – ernähren – entspannen“ (Jg. 6), welche immer auch in Zusammenarbeit mit dem Ökomarkt e.V. und dem Betreiber des Schulrestaurants Kinderwelt e.V. stattfinden. Die Kinder werden in diesen Projekten mit den Besonderheiten der ökologischen Produktion und eines nachhaltigen Konsumverhaltens vertraut gemacht. Eines der Ziele ist, dass sie diese Produkte auch in ihrem Schulrestaurant wieder finden. Da das Schulrestaurant biozertifiziert ist, d.h. alle verarbeiteten Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung stammen, greifen an dieser Stelle „Erlerntes und Erlebtes im Schulalltag“ in besonderem Maße ineinander.

Bewusst einkaufen, selbst zubereiten

Das heutige Motto ist den SchülerInnen nicht neu: Rezepte mit Lebensmitteln aus fairem Handel. Bewusst einkaufen, das gehört natürlich mit zum Konzept des Kurses. Die SchülerInnen wissen hier schon gut Bescheid, denn der Kurs hatte bei einem Kochwettbewerb ein großes Paket mit fair gehandelten Lebensmitteln von hamburgmalfair gewonnen, aus denen die SchülerInnen ein leckeres Menü kochten. Die Hintergründe von Fairtrade wurden mit hamburgmalfair in einem Workshop im Süd-Nord-Kontor erarbeitet und die Gruppe kann sich nun Fairtrade-Botschafter nennen.

Heute geht es an die Zubereitung eines Quinoa-Salats, das Ergebnis wird nach der Schulpause verköstigt. Quinoa ist auf jeden Fall was Neues, sagt eine Schülerin. Doch auch ganz alltägliche Gerichte bekommen – selbst gekocht – plötzlich einen Reiz. Ein Schüler schwärmt heute noch von der Kartoffel-Lauch-Suppe. Hat sogar ohne Fleisch geschmeckt, muss er zugeben.

Schon über 70 Rezepte

In der Küche können 16 SchülerInnen arbeiten. Ein Küchenausstatter als Sponsor – der Kontakt kam über Eltern zustande – steuerte vier voll ausgestatte Küchenzeilen bei. Die Anschlüsse und Ausstattung mit den Dingen, die man zum Kochen braucht, finanzierte die Behörde.

Im ersten Jahr wurden schon über 30 Rezepte ausprobiert, in Jahrgang 9 ist die Sammlung bereits auf über 70 Rezepte angewachsen.

Zum Kursprogramm gehören auch Exkursionen zu Bauernhöfen, Bäckereien und zum Schülerlabor SCOLAB und zum benachbarten Hamburger Großmarkt. Eindruck hat bei den SchülerInnen vor allem der Bauernhofbesuch hinterlassen. Manche von uns wussten vorher nicht, wie Kartoffeln wachsen, erklärt eine Schülerin, während sie vorsichtig einen Honig-Orangensaft-Sud über den Quinoa-Salat gießt.

Ihr Können zeigen

Der Kurs des Pilotjahrgangs nahm 2010 teil am Wettbewerb „Ideen Initiative Zukunft”, mit dem dm-drogeriemarkt und die Deutsche UNESCO-Kommission Ideen und Projekte fördern möchten, die sich für eine lebenswerte Welt von morgen einsetzen. Mit ihrer Präsentation und den selbst gemachten Waffeln aus Kamut-Getreide überzeugten die SchülerInnen die Kunden des dm-drogeriemarktes am Winterhuder Marktplatz von ihrer Arbeit und gewannen den Förderpreis von 1.000 €.

Im Jahr 2011 gewann der nachfolgende Jahrgang 7-Kurs bei einer großen Kassieraktion im dm-drogeriemarkt weitere 700 €.

Stolz auf das Erreichte

Inzwischen ist das Kochteam mit den Salat-Vorbereitungen fast fertig. Einige decken rasch die Tische ein, bevor es an die Verkostung und in die kritische Feedback-Runde geht. Schafft das Rezept es in das food&fun-Kochbuch, das im nächsten Jahr entwickelt und verkauft werden soll? Wir nehmen natürlich nur die besten Rezepte, stellt eine Schülerin klar. Na klar!

Einblicke und Ausblicke

So beschreiben die SchülerInnen ihren WP-Kurs food&fun:

Wir sind ein besonderer Kurs, weil…

  • wir leidenschaftlich kochen mit viel Mühe und Sorgfalt, z.B. durch ästhetisches Anrichten.
  • wir viel Wert auf Hygiene legen und alle ein Hygienezertifikat haben.
  • wir im Schulkiosk verkaufen, um dem Schulrestaurant neue Möglichkeiten zu zeigen.
  • wir anderen MitschülerInnen zeigen, dass „gesundes“ Essen gut schmeckt.
  • wir unsere MitschülerInnen etwas Neues entdecken lassen, z.B. Lebensmittel, die sie noch nicht kannten wie Dinkel, Kamut, Sprossen oder Ingwer und andere Gewürze und Kräuter.
  • wir mit externen Fachleuten zusammenarbeiten, z.B. dem Ökomarkt e.V.

…wir uns damit beschäftigen…

  • woher die Lebensmittel kommen, z.B. bei einer Supermarkterkundung bzgl. der Herkunftsländer.
  • wie unsere Lebensmittel hergestellt werden, z.B. ökologischer Anbau, fair trade: Teilnahme bei hamburg mal fair, Bauernhof- und Bäckereibesichtigung.
  • wie man sich lecker und bewusst ernähren kann, z.B. verwenden wir verschiedene Süßungsmittel wie Honig, Rohrohrzucker oder Agavendicksaft.
  • wie Klimaschutz und Ernährung zusammenhängen, z.B. verarbeiten wir am liebsten regionale Obst- und Gemüsesorten passend zur Jahreszeit.