Kunst und Camping in Kassel

Kunst/Geschichte-Profil der Sek II besucht die documenta 14 in Kassel

Dieses Jahr findet wieder die international bekannte Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Kassel statt. Das Profil Kunst / Geschichte organisierte eine zweitägige Kursfahrt nach Kassel. documenta_4

Das Publikum der diesjährigen documenta 14 wird nicht allein mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert, sondern mit zeitgenössischen Fragen über die Funktion von Kunst in unserer krisengebeutelten Gesellschaft.

Schon der Besuch in der alten Hauptpost Kassels – jetzt benannt als „Neue Neue Galerie“ – zeigt viele Arbeiten, die das weltweite Kriegsgeschehen aufgreifen, die damit einhergehenden wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen aufzeigen, aber auch die Machtstrukturen politischer Akteure aufdecken.

Viele Arbeiten weisen auch aus, dass Künstler sich seit dem 19. Jahrhundert kritisch äußern und ihre Rolle als Künstler nicht darin sehen, die Welt aufzuhübschen. Besonders eindrucksvoll verwebt Daniel Garcia Andujar dies in seiner Arbeit, wenn er Goyas Arbeit „Die Schrecken des Krieges“ zitiert.

documenta_3Den SchülerInnen blieb besonders die Arbeit in Erinnerung, die geradezu detektivisch den heimtückischen NSU-Mord in Kassel verhandelte und der Frage nachging, welche Rolle der Verfassungschutz dabei spielte. Auf einer durch drei Screens angelegten Leinwand wurde nachweislich belegt, dass die offizielle Ermittlungsarbeit Lücken zeigt und bekannte Aussagen in ihrer Aussagekraft schmälert.documenta_2

Dass diese Detektiv-Arbeit auch als moderne Archäologie begriffen werden kann, zeigt sich durch den Verweis „Von Athen (zu) lernen“. Ein riesiger Nachbau des Parthenons auf der griechischen Akropolis der argentinischen Künstlerin Marta Minujín assoziiert die documenta 14 mit der Hauptstadt Griechenlands – damit mit unserem kulturellem Erbe (griechische Klassik), der aktuellen Finanzkrise, der Frage nach dem legitimen Territorium Europas und der Rolle der Demokratie.

Die Argentinierin Marta Minujín hat diesen Parthenon zum zweiten Mal aufgebaut. Die erste Version stand in Buenos Aires und wurde nach der Militärdiktatur aufgebaut. Ihr „Parthenon der Bücher“ zeigte ebenso wie jetzt in Kassel das Gebäude mit politisch zensierten Büchern, also Werke, die in bestimmten Ländern und unter bestimmten Regierungen nicht erlaubt waren und auf dem Index standen.

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Die Freiheit der Kunst ist ein großes Thema dieser documenta 14. Hierin liegt auch die freie Meinungsäußerung aller geborgen. Das von manchen als Kunstspektakel bezeichnete Vorhaben documenta trägt hingegen die politische Bedeutung einer demokratischen Öffentlichkeit mit sich. Eine Öffentlichkeit, die für das freie Zusammenleben aller Menschen – bei aller Unterschiedlichkeit – eintritt.

Nach zwei Tagen waren alle Beteiligten sichtlich erschöpft von der großen Anzahl künstlerischer Arbeiten. Nicht immer war es leicht, den Assoziationen zu folgen, oder einen Sinn zu erarbeiten. Nicht jede Arbeit sagte zu, aber viele sprachen uns an.

Ulrich Schötker, Kunstlehrer des Kunst/Geschichte-Profils

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