Auftakt am 6.10. zu „GemeinsamVerschieden“ – Demokratiebildung durch Literatur an der Grundschule
Leises Kissenkruscheln. Bunte Socken schauen aus dem Meer aus Sitzsäcken. Die Klasse 2b hat es sich im Lesewald der Erich Kästner Schule gemütlich gemacht. Vorne am Tisch sitzt Yannick-Maria Reimers und glitzert im trüb dämmernden Morgenlicht. Schüler:innen und Autor:in lernen sich erst einmal kennen, und bevor Yannick-Maria Reimers aus dem Buch „Die Rätsel vom verlorenen Leuchten“ vorlesen kann, werden neugierig Fragen gestellt: „Hast du Geschwister?“ „Wie nennen wir dich, wenn wir deinen Namen vergessen haben?“ „Auf welche Toilette gehst du?“ „Ziehst du auch Kleider an?“ „Wie fühlst du dich heute?“ „Wann hast du angefangen zu schreiben?“
Yannick-Maria Reimers nimmt sich Zeit, alles zu beantworten, und dann wird das Buch aufgeschlagen. Yannick-Maria liest: „Hallo? Ist jemand wach?“, als der kleine Stern auf Maxi trifft, und aus dem Kissenmeer im Lesewald antworten die Schüler:innen laut: „Ja!“ Die Kinder erleben, wie Maxi und der kleine Stern die Mondnixe suchen, finden und ihre ganz eigene Geschichte hören. Sie erfahren, wie die Mondnixe durch Zuspruch wieder zu ihrem Leuchten findet und wie aus ihrem Sternenstaub das Buch entsteht.
Am Ende der Lesung heißt es Schlange stehen. Jedes Kind will eine Autogrammkarte ergattern. Weil die Kinder die Gelegenheit nutzen, einem:r Geschichtenerfinder:in und Illustrator:in so nah zu sein, werden noch viele Fragen gestellt und beantwortet.
Draußen, beim Schuhe anziehen, frage ich einige Schüler:innen, was sie an der Lesung besonders beeindruckt hat: „Dass die Blumen pupsen konnten, das war witzig und stimmt ja irgendwie auch“, und ein anderes Kind zeigt auf die Bilder der Autogrammkarte: „Dass seine Haare sich verändern.“
Im Anschluss geht es in eine vierte Klasse. Im Sitzkreis werden zu den Hobbys eigene Bewegungen gefunden, und im Gespräch wird deutlich, dass viele der Schüler:innen gerade auf der Suche nach Grusel- und Gänsehautmomenten sind. Yannick-Maria Reimers liest aus dem Buch das Kapitel über das Schicksal der Memoarier vor. In der Sandwüste entstehen Bilder von ganz eigenen Monstern, die uns in Träumen manchmal auflauern. Doch wenn wir mit ihnen in den Dialog gehen, können sie auch Hinweise darauf geben, was es im Inneren zu schützen gilt.
Jetzt dürfen die Kinder kreativ werden. Auf zunächst weißen Blättern entstehen eigene Fantasiewesen, die mit ihrer Superkraft die Welt verändern können: rote Lamettahaare, die glücklich machen, oder ein zweiköpfiger Fuchs-Wolf-Geist, der Mut und Kraft verleiht. Dazu kommen lebensrettende Six-Seven-Bären, Seifenblasenvögel und eine Menschenschlange mit Turboantrieb. In der 4d werden ganz unterschiedliche Wesen mit den verschiedensten Fähigkeiten geboren, die am Ende präsentiert und gewürdigt werden.
In den kommenden Tagen besucht Yannick-Maria noch die übrigen vierten Klassen, und es gibt eine große Lesung in der Schulaula für den dritten Jahrgang.
Wir wünschen allen Schüler:innen einen spannenden Austausch und freuen uns sehr, Yannick-Maria Reimers an unserer Schule als Gast und Impulsgeber:in begrüßen zu dürfen.
Dieses Projekt wurde von der Landeszentrale politische Bildung Hamburg gefördert.
Text: L. Pintatis

